Innere Mitte ist Voraussetzung für gute Kommunikation

Inspiration Zukunft: Piroska Gavaller-Rothe öffnet Sehnsuchts-Raum

„Wertschätzend reden können wir, Klartext sprechen auch – aber wie bekommen wir beides gleichzeitig hin?“ Um diese Kernfrage kreiste der Vortrag „Persönlicher Wandel als Grundlage für sozialen Wandel“, den Piroska Gavaller-Rothe jetzt im Saal der Soester Waldorfschule hielt. Zwei Stühle links auf der Bühne, zwei rechts: Mit diesem Mobiliar hielt die Kommunikationstrainerin den Besuchern der Reihe „Inspiration Zukunft“ den Spiegel vor. Am Ende des Abends fühlten sich die allermeisten linksseitig ertappt – und sehnten sich nach einer Zukunft, in der die Kommunikation rechts, nur noch rechts stattfindet.

Ein einfaches Beispiel einer Chefin, die nach einem langen Monolog eine Zwischenfrage einer Mitarbeiterin barsch abwiegelt, reicht  Piroska Gavaller-Rothe aus, um durch einen Abend voller Aha-Effekte zu navigieren. Welche Reaktionen können auf dieses barsche Abwiegeln erfolgen? Zunächst geht der Blick nach links: Auf den beiden Stühlen sind Angst oder Agression, innerer oder äußerer Unfrieden und eine ums eigene Ego kreisende Kette unbewusster Reaktionen zu Hause. Eine „Ich bin schuld“ in der Opferrolle oder ein „Du bist schuld“ als Täter machen überdeutlich, dass es mit Verhaltensmustern wie diesen keinen Gewinner geben kann. „In dieser Welt wurden wir sozialisiert“, meint die Referentin – und löst ein breites Kopfnicken aus bei den Besuchern im Saal. Dressiert seien Menschen, die entweder ständig den Kopf einzögen oder dauernd explodierten, zeigt Gavaller-Rothe die Grenzen der (Reaktions-)Freiheit auf. Überhaupt die Begrenzung: „Hier findet eine deutliche Begrenzung von Leben statt“, sagt sie. Sie setzt sich ganz links auf den Stuhl, den Körper vornüber gebeugt, den Blick auf den Boden, meint: „Wenn ich immer nachgebe, immer alles geschehen lasse, dann habe irgendwann keine Energie mehr.“ Flugs setzt sie sich auf den zweiten Stuhl, ballt beide Fäuste, ruft: „Die hat wohl ein großes Problem, meine Chefin, auf ihren sogenannten Führungsseminaren hat die wohl nichts, absolut gar nichts gelernt.“ Wut und Aggression sind spürbar jetzt.

Klare Botschaften: Wer sich selbst zum Opfer oder Täter macht, hat keine Chance auf eine wertschätzende Kommunikation, bei der niemand auf der Strecke bleibt.
Klare Botschaften: Wer sich selbst zum Opfer oder Täter macht, hat keine Chance auf eine wertschätzende Kommunikation, bei der niemand auf der Strecke bleibt.

Also lieber nach rechts sehen? „Hier steht das klare Wissen ,Ich bin o.k.' im Zentrum“, führt die Referentin weg von äußerer Beurteilung und hin zum Blick nach Innen. Die Selbstakzeptanz sei unbedingte Voraussetzung für inneren Frieden. „Erst wenn das gelungen ist, können wir auch dem anderen wirklich begegnen“, so Piroska Gavaller-Rothe. Erst dann nämlich könne die Lebensenergie des anderen spürbar, erst dann könne das Gegenüber ganz erfasst werden. „Ganz aus uns heraus zu gehen und den unbedinten Wunsch zu spüren, den anderen in seiner Lebenssehnsucht zu spüren, darum geht es.“

Tolles Buch: Piroska Gavaller-Rothe hatte sichtlich Freude daran, ihre Buch-Botschaften in die Welt zu bringen.
Tolles Buch: Piroska Gavaller-Rothe hatte sichtlich Freude daran, ihre Buch-Botschaften in die Welt zu bringen.

Wenn es um eine Sehnsucht geht, die die Besucher an diesem Abend aus der Zukunft zieht, dann ist es eben diese: So zu kommunizieren, dass der andere sich zur Entfaltung eingeladen fühlt, dass durch innere Unabhängigkeit ein „bedingungsloses Beziehungsangebot“ gilt – und sich die Seelen der Gesprächspartner berühren.

Ab ins Internet: Das Video zum Vortragsabend ist unter www.waldorfschulesoest.de/Inspiration abrufbar.
Ab ins Internet: Das Video zum Vortragsabend ist unter www.waldorfschulesoest.de/Inspiration abrufbar.

Nicht zuletzt durch viele persönliche Beispiele gelingt es Piroska Gavaller-Rothe, die Menschen im Saal mitzunehmen hin zu einem Ort, an dem die Sozialisation der Kindheit keinen Platz mehr hat. Ein Ort der Sehnsucht. Offen bleibt die Antwort auf die Frage, welche konkreten inneren Wege zu beschreiten sind, um dorthin zu gelangen. Eben diese Antworten seien Bestandteil der „Gewaltfreien Kommunikation“. Diese nur kurz anzureißen sei aber kaum sinnvoll, so Piroska Gavaller-Rothe. Der Ausweg? „Wer mehr wissen will, darf mein Buch lesen“, meint die Autorin – und lädt an ihren Büchertisch.

Für zu Hause: Die Botschaften fotografierten viele Besucher am Ende des Abends ab.
Für zu Hause: Die Botschaften fotografierten viele Besucher am Ende des Abends ab.

Und die Antwort auf die Ausgangssituation? In einem kleinen Dialog erkundet die Mitarbeiterin die innere Befindlichkeit ihrer Chefin, spürt den Aggressionen nach, ehe sie den tatsächlichen Wünschen ihrer Vorgesetzten auf die Spur kommt: „Aha, Sie wollen also, das die Arbeit schnell und ohne Probleme erledigt wird.“ Hier sei der Dialog zu Ende. Vorerst. Denn um den wahren Befindlichkeiten auf die Spur zu kommen, dafür müsse man den richtigen Augenblick abwarten. Erst dann öffne sich ein Raum, um auch die eigenen Bedürfnisse einzubringen. Und um wertschätzend Klartext zu reden.

Tipp: Das Buch „Wertschätzend Klartext reden - Gelingend kommunizieren in Beruf und Alltag“ umfasst 376 Seiten und ist unter ISBN-13: 9783750408371 im Buchhandel für 24,95 Euro erhältlich.

 

Text: Jürgen Vogt / Bilder: Frank Osinski und Uwe Hasenbein

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