Bericht aus dem Landwirtschaftspraktikum

14.11.2018 12:00 von Admin

Eine Kuh macht Muh…

…viele Kühe machen Mühe!


Ein Schrilles Klingeln mitten in der Nacht! Es ist halb fünf! Der Wecker überschlägt sich und verstummt beim Aufprall auf den Boden. Es ist stockdunkel in unserer kleinen Hütte, die etwas abseits auf dem großen Hofgelände steht. Auf uns, Ida und Helen, wartet die erste Arbeitsschicht im Landwirtschaftspraktikum der 10. Klasse.

Unser erster Auftrag ist ein Gang über eine unendlich erscheinende Weide. Nebelschwaden ziehen über das feuchte Gelände. Unsere kleine Taschenlampe malt riesige Schatten in den Nebel. Der Bauernhof ist nicht mehr zu sehen und Stille umfängt uns. Leider wird diese von unheimlichen Geräuschen aus dem Unterholz unterbrochen. Trolle, Nachtelfen oder Gnome scheinen uns zu folgen. Plötzlich steht ein riesiger Schatten vor uns, mit großem Kopf und Hörnern. Ein kurzer Schreck, dann Erleichterung. Wir haben die Kühe gefunden.

tl_files/Bilder von Aktionen und Veranstaltungen/2018/181114_praktikumsbericht/Landwirtschaftspraktikum-Bericht-bild1.jpgWir sollen die Herde zum Melkstand treiben. Zumindest probieren wir es. Die Kühe haben leider eher weniger Lust oder sind noch müde, so wie wir
auch. Dazu kommt noch, dass wir erfahren haben, dass in dem angrenzenden Wald Wildschweine ihr zu Hause haben, was uns die Kuhsuche nicht unbedingt erleichtert. Wir haben das Gefühl, dass die Wildschweine uns absichtlich Angst
einjagen wollen und besonders gerne mit den Ästen knacken. Als wir nach einiger Zeit endlich alle Kühe im Melkstand beisammen haben, fällt uns wieder Hedwig ein, die gerne völlig alleine und abseits von allen anderen Kühen in der Hecke liegt, wo man sie gerne mal übersieht. Also müssen wir noch einmal losziehen mit unserer Taschenlampe und Hedwig finden. Naja, am Ende haben wir dann auch die letzte Kuh aufgespürt und die Herde kann gemolken werden.

Nach zwei Stunden Hunger (bzw. Kuhfladen) schieben, gibt es um sieben Uhr das erlösende Frühstück.

In unserer nächsten Arbeitsschicht ab 8:30 Uhr geht es raus aufs Feld Hokkaidos ernten, die danach gewaschen werden müssen. Der Bauer hat uns bereits eine stattliche Kiste aufgestellt, die wir füllen sollen. Als die Kiste endlich voll ist und wir uns nach einer Pause sehnen, kommt zu unserem Entsetzen mit dem Trecker bereits eine neue Kiste, die zu füllen ist. Das Wort „Kiste“ ist vielleicht nicht ganz richtig, denn es passen 300 Kürbisse hinein. Nachdem endlich alle geerntet sind, steht am Nachmittag dann das Waschen der Hokkaidos an, welches dem Gammeln
der Kürbisse vorbeugen soll. Auch beim Waschen ist Durchhaltevermögen gefragt. Trotz Schürze und Gummistiefeln sind wir komplett durchnässt. Dazu kommt noch, dass die Sonne uns gerade komplett im Stich lässt und unsere Finger eiskalt sind.

Zum Glück gibt es eine lange Mittagspause, in der wir mit der Bauersfamilie gemeinsam essen.

tl_files/Bilder von Aktionen und Veranstaltungen/2018/181114_praktikumsbericht/Landwirtschaftspraktikum-Bericht-bild2.jpgAnschließend ist es für die Kühe wieder Zeit, gemolken zu werden. Trotz der verträglichen Tageszeit, sind einige Kühe immer noch nicht viel aktiver. Besonders Rapunzel lässt sich auch durch schieben, schreien oder ziehen nicht vorantreiben und braucht immer eine Extra-Einladung. So blockieren wir für einige Minuten die Straße, die die Tagweide von dem Hof trennt, und die Autos müssen warten. Als dann auch
endlich Rapunzel sich zum Melkstand bequemt hat, müssen wir noch die ca. ein Jahr alten „Fresser“ von der Weide in den Stall bringen. Zuerst sind wir sehr erfreut, als sie Richtung Stall springen. Doch die Freude verfliegt schnell, als die kleinen Kühe plötzlich in alle möglichen Richtungen laufen. Auch in den sogenannten „Laufhof“, wo die anderen Kühe darauf warten, gemolken zu werden. Ein großes Durcheinander entsteht. Bei den Fressern braucht man zwar nicht so viel Mühe, sie voran zu bringen, aber man muss gut aufpassen, dass man nicht zu hektisch wird, weil sie sonst schnell verschreckt werden. Doch auch dieses Hindernis haben wir schließlich bewältigt.

Um sechs Uhr ist Feierabend. Nachdem wir unsere stinkenden Klamotten im Stiefelkeller losgeworden sind, essen wir mit der Familie Abendbrot und stellen fest, dass unsere Portionen immer größer werden.

Als entspannenden Abschluss des Tages setzen wir uns auf die kleine Bank vor unserer Holzhütte, die wir für die drei Wochen bewohnen, und genießen den Sonnenuntergang.

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